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Marktkommentar Januar 2021

Lichtblicke und Herausforderungen

Das Börsenjahr 2020 hat im vierten Quartal noch ein versöhnliches Ende genommen. Der DAX kam dabei letztendlich auf ein Plus von etwas über drei Prozent. Auch der amerikanische Aktienmarkt konnte zulegen, gleichwohl wurde das Ergebnis aus Sicht eines Euroanlegers durch den deutlichen Verlust des US-Dollars gegenüber dem Euro in den negativen Bereich gedrückt. Für die positive Entwicklung an den Märkten gab es drei wesentliche Gründe: (Noch) tiefere Zinsen, die Ankündigung aussichtsreicher Impfstoffe und die Wahl von Joe Biden zum Präsidenten der USA.

 

Ohne zu sehr parteiisch werden zu wollen, ist der Präsidentenwechsel in den USA ein Lichtblick. Ein wichtiger und positiver Unterschied ist allein schon der zivilisierte Umgangston und die menschliche Integrität. Zwei Attribute, die in der globalen Politik längst nicht mehr selbstverständlich sind. Biden ist zudem ein erfahrener Außenpolitiker und er ist sich als Kompromisssucher par excellence des Wertes von Allianzen bewusst. So wie er angekündigt hat, dem von Obama unterzeichneten und von Trump aufgekündigten Pariser Klimaabkommen wieder beizutreten, dürfte er die Nato-Partner respektvoll behandeln. Aber er würde als Präsident zugleich den Europäern, Deutschland allen voran, abfordern, stärker abzuwägen zwischen der transatlantischen Sicherheit und östlichen bis fernöstlichen Wirtschaftsversuchungen. Das zeigt auch, dass insbesondere in geostrategischen Fragen die beiden wichtigsten US-Parteien recht dicht beieinander liegen. Insofern sollte man hier keinen großen Politikschwenk erwarten. Auch Biden hat immer wieder eine harte Gangart gegenüber China eingefordert. Ohnehin dürfte eine der größten Herausforderungen in den nächsten Jahren für Europa darin liegen, sich zwischen China und den USA zu behaupten. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht darin gipfelt, dass sich Deutschland bzw. Europa zwischen China und den USA entscheiden müsste, was eine Entkopplung der Wirtschafts- und Einflusszonen zur Folge haben könnte. Mögliche wirtschaftliche Konsequenzen könnten dann dazu führen, dass Forderungen nach noch mehr staatlicher Unterstützung aufkommen würden. Nicht nur vor diesem Hintergrund erscheint langfristig eine globale Aufstellung der Geldanlage geboten. Die jüngsten Entwicklungen in Asien lassen dabei aufhorchen. In Fernost ist im Jahr 2020 eines der größten Wirtschaftsabkommen der Welt geschlossen worden. Mit der Regional Comprehensive Economic Partnership wird etwa ein Drittel der globalen Wirtschaftsleistung erfasst, wobei sich der Vertrag vom Handel über Investitionen bis zu Urheberrechtsregelungen erstreckt. China bindet damit die größten ASEAN-Staaten sowie Japan, Australien und Neuseeland enger an sich.

 

Ein weiterer Lichtblick für die Börsen waren die Ankündigungen für Impfstoffe gegen das Coronavirus. Ein Zurück zur Normalität im Jahr 2021 erscheint damit sehr wahrscheinlich. Mit dieser inzwischen berechtigten Hoffnung auf Impfstoffe und der anhaltenden Unterstützung von Notenbanken und Regierungen dürfte sich die Wirtschaft erholen und mit ihr die Unternehmensgewinne. Die Herausforderung für den Aktienmarkt ist jedoch, dass die Börsen diese positiven Aussichten bereits eingepreist haben. Auch wenn zu Recht davon ausgegangen werden kann, dass sich die Impfstoffe äußerst vorteilhaft auf das Vertrauen, die Mobilität und die Konsumausgaben auswirken dürften, wird sich das Zurückfahren staatlicher Unterstützungsmaßnahmen mit Sicherheit gegenteilig auswirken. Die zunehmende Verschuldung und Unterbeschäf-tigung könnten auf längere Sicht wachstumshemmend sein. So spektakulär die Konjunkturerholung auch sein mag, falls es sich dabei nicht nur um einen Basiseffekt handelt, braucht es dennoch eine lange Zeit, den enormen Schaden wieder wettzumachen, den die bereits von schwachem strukturellen Wachstum geprägte Weltwirtschaft im Jahr 2020 erlitten hat.

 

Trotz der konjunkturellen Verbesserungen stecken wir nach wie vor in einer Phase fest, in der die Wirtschaft auf eine dauerhaft lockere Geldpolitik angewiesen ist. Und die Coronapandemie hat dieses Problem noch verschärft. Wir haben es nun mit den Nebenwirkungen umfangreicher geldpolitischer Stimuli und fiskalischer Rettungsaktionen zu tun, die zur Bekämpfung der Finanzkrise 2009 und der Staatsschuldenkrise in Europa 2011 ergriffen wurden. Daraus resultierte ein riesiger Schuldenberg, ohne dass zugleich starkes Wachstum generiert worden wäre. Gutes Wachstum im Sinne einer kreativen Zerstörung und der Wiederbelebung der Wirtschaft blieb aus. Die globale Gesamtverschuldung (Staaten, Unternehmen und Private) ist mittlerweile sogar auf 330% der Wirtschaftsleistung geklettert. Derart hohe Schulden sind nur schwer zu bedienen, wenn die Zinsen nicht niedrig sind.

 

 

Die Macht der Zinssätze

Diese tiefen Zinsen waren auch der Haupttreiber für die Wertpapiermärkte nach Corona. Beispielsweise hatte die amerikanische Notenbank Fed den wichtigsten globalen Leitzins im März um 1,5% auf die Spanne von 0-0,25% gesenkt. Niedrige Zinsen haben auf vielfältige Weise einen erheblichen Einfluss.  Alles, was mit Finanzierungen verbunden ist, wird attraktiver. Es wird billiger, ein Haus zu kaufen, weil die monatliche Hypothekenzahlung geringer ist. Das Gleiche gilt für Autos oder Boote. Die monatlichen Zahlungen für bestehende Hypotheken mit variablem Zinssatz gehen zurück, sodass die Verbraucher mehr verfügbares Einkommen haben. Der Zinsaufwand für Unternehmen sinkt ebenfalls und senkt die Kosten für eine neue Fabrik oder Produktionslinie. Eine schnell wachsende Wirtschaft verbessert die allgemeine Stimmung und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Transaktionen. Und die Angst, die niedrigen Zinssätze zu verpassen, gibt den Menschen einen Grund, jetzt zu handeln und Transaktionen zu beschleunigen, die sonst in der Zukunft stattgefunden hätten.

 

So positiv dieser „Zuckerstoß“ auch ist, so kommt es unweigerlich zu Herausforderungen in einer zweiten Phase, was auch aus Sicht der Geldanlage relevant ist. Denn ein niedriger „risikofreier“ Zinssatz, wie z.B. für kurz laufende Staatsanleihen, senkt die Renditen entlang der gesamten Kapitalmarktlinie.

Warum? Anleger, die in der Vergangenheit die gewünschte oder benötigte Rendite von einem Vermögenswert mit einem bestimmten Risikograd erhalten haben, müssen jetzt Anlagen wählen, die höher auf der Renditekurve liegen, um dieselbe Rendite zu erzielen. Die Nachfrage steigt, die Bewertungen erhöhen sich und die künftig zu erwartenden Renditen sinken. Diese Logik war auch ein wichtiger Grund für die Dynamik in diesem Jahr an den Märkten. In steigenden Märkten füllen sich die höher rentierlichen Märkte mit Anlagegeldern, da die Angst umgeht, etwas zu verpassen (FOMO=Fear of missing out). Kommt es dann zu einer Korrektur, während das Lager der Anleger auf der höheren Ebene der Renditekurve gefüllter ist als sonst, merkt eine Vielzahl der Anleger, dass ihre kurzfristige Risikotoleranz doch nicht so groß ist und die Abwärtsdynamik als Konsequenz ist dann größer als in der Vergangenheit. Diese Wechselspiele sind auch in Zukunft zu erwarten. Daher bleibt es für die Spiekermann & CO AG nach wie vor sinnvoll, neben den langfristigen Investments, mit einem Teil des Vermögens flexibel zu bleiben, um antizyklische Opportunitäten nutzen zu können. Ende 2020 hat die Sorglosigkeit an den Wertpapiermärkten wieder Einzug gehalten. Das wird z.B. an den Anleihemärkten deutlich. Langjährige Anleihen des hoch verschuldeten Portugals rentieren inzwischen negativ, ebenso Kurzläufer aus Griechenland. Der Tag, an dem auch zehnjährige Anleihen aus Athen negativ rentieren werden, ist nah. Auch am Aktienmarkt herrscht wieder Optimismus. Das untermauert eine Studie des Vermögensverwalters Amundi, wonach weltweit der ETF-Mittelzufluss im November auf 122,5 Mrd. € gewachsen ist, was fast dreimal so viel ist wie im Oktober. Im Visier der Anleger hätten vor allem Aktien-ETF´s gestanden, ihr Zufluss war im November sechsmal so hoch wie im Vormonat. Vor diesem Hintergrund hält die Spiekermann & CO AG weiterhin an der taktischen Liquidität fest, um künftige Opportunitäten nutzen zu können.

 

 

Gold/Rohstoffe

Gold konnte sich im Jahr 2020 ein weiteres Mal sehr positiv entwickeln. Als allerdings im vierten Quartal die ersten Meldungen zur möglichen Einführung eines Impfstoffs auftauchten und die US-Präsidentschaftswahl mit einem klaren Sieger endete, konnte Gold seine zwischenzeitlich noch höheren Gewinne nicht halten und korrigiert seitdem. Diese Korrektur erscheint gesund, da viele spekulative bzw. kurzfristig orientierte Anleger auf den Goldzug aufgesprungen waren, um schnelle Gewinne zu erzielen. Die Korrektur schüttelt diese Marktteilnehmer nun großenteils ab. Wichtig bleibt, sich die fundamentalen, langfristigen Treiber des Goldpreises zu vergegenwärtigen. Die strukturell hohe Verschuldung und die überdurchschnittlich hohe Neuverschuldung sowie das umfangreiche Haushaltsdefizit der USA werden den Wert des US-Dollar niedrig halten und das Gold attraktiver machen. Da sein Preis auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt wird, macht eine Schwäche des Greenback das Edelmetall in Ländern außerhalb des Dollarraums günstiger. Zudem sollte eine fortgesetzt lockere Geldpolitik durch die wichtigsten Zentralbanken zur generellen Ausweitung des Geldmengenwachstums M2 (Sichteinlagen der Nichtbanken plus gesamter Bargeldumlauf) führen, was ebenfalls der längerfristigen Goldpreisentwicklung förderlich ist.

Die Äußerung der amerikanischen Notenbank Fed, dass sie eine über ihren Zielwert hinausschießende Inflation ignorieren werde, schafft zudem ein günstiges Umfeld. Hier sei auf eine gewisse positive Asymmetrie hingewiesen: Höhere Inflationszahlen werden ignoriert - sinken diese aber unter den Zielwert, dürfte der Ruf nach weiteren unterstützenden (Geld) politischen Maßnahmen wieder lauter werden. Der Kaufkraftverlust über wahrscheinlich höhere Inflationsraten fördert sodann das Interesse für Werterhaltung und somit für Gold. Darüber hinaus werden die negativen Realzinsen in den meisten Industrie- und Schwellenländern die Opportunitätskosten für das Halten von Goldpositionen reduzieren. Aber nicht nur Gold macht einen attraktiven Eindruck. Auch industrielle Rohstoffe, wie z.B. Kupfer oder Nickel erscheinen relativ aussichtsreich. Dieses wird deutlich, wenn man einen Korb der wichtigsten Rohstoffe ins Verhältnis zum Aktienmarkt setzt. Die Grafik zeigt den Refinitiv Equal Weight Commodity Total Return Index im Verhältnis zum breiten Aktienmarkt MSCI World.

Dieser Rohstoffindex ist insofern aussagekräftig, da er die 17 wichtigsten Rohstoffe gleich gewichtet. Gut sichtbar ist die Inflationsphase in den 70er Jahren, wo sich Rohstoffe, absolut und relativ, signifikant positiv entwickelten. Trotz der guten Entwicklung von Gold oder Kupfer im Jahr 2020, erscheinen Rohstoffe aus relativer Sicht auf dem aktuellen Niveau so attraktiv wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Insbesondere die starke Nachfrage aus China dürfte in den nächsten Jahren einen wichtigen Kurstreiber darstellen. Aber auch unter Nachhaltigkeitsaspekten werden Rohstoffe immer wichtiger. Warum? Um die globalen Klimaziele zu erreichen, benötigt die Welt mehr Rohstoffe als bisher. So ist die Produktion von E-Autos in den nächsten zehn Jahren vermutlich weiter auf Nickel, Mangan und Kobalt angewiesen – und die Nachfrage nach diesen Metallen wird Schätzungen zufolge jährlich im zweistelligen Prozentbereich zulegen. Ein weiteres Beispiel ist die Windkraft. Für die Produktion von Windkraftanlagen werden pro Stück im Schnitt zehn Tonnen Kupfer verbaut. Wir brauchen demnach für eine nachhaltige Energiewende auf lange Sicht deutlich mehr Bergbau, nicht weniger. Doch diese Rohstoffgewinnung muss innovativer und vorausschauender ablaufen als bisher! Dafür ist entscheidend, dass die Firmen ihren Mitarbeitern und Aktionären gegenüber nachhaltig agieren und die Bedürfnisse folgender Generationen im Auge haben. Zudem müssen sie die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Bergbaus beachten.

 

Innovationen sind der Treiber, der uns auch über große Krisen hinweggebracht hat. Sie prägen die Megatrends Demografie, Urbanisierung, nachhaltiges Wirtschaften sowie den technologischen Wandel. Und sie liefern Lösungen für die größte Herausforderung unserer Zeit: den Kampf gegen den Klimawandel. Es gibt genügend Anlässe für einen „rationalen Optimismus“, auch in Zeiten einer Pandemie.

Fazit:

Das Marktumfeld in den nächsten Jahren dürfte anspruchsvoll bleiben. Die immense Liquidität an den Märkten wird immer wieder zu Verzerrungen und Schwankungen führen. Die Spiekermann & CO AG hat sich auf dieses Umfeld mit einer klaren Strategie bestehend aus Substanz, Diversifikation und Flexibilität eingestellt.